Earthship Workshop Kolumbien

14.05.2017 – 3.6.2017

Ich war drei Wochen beim Earthship Workshop in Kolumbien, was eine sehr intensive und interessante Erfahrung war.

Was ist ein Earthship?

Die Fa. Earthship Biotecture, die ihren Hauuptsitz in Taos in Neu-Mexiko hat, baut sogenannte Earthships. Der Architekt Mike Reynolds ist heute 73 Jahre alt und beschäftigt sich seit 50 Jahren mit dem Bau von ökologischen Häusern. Das Konzept beruht auf sechs Grundsätzen:

  • Verwendung von Müll als Baumaterial, insbesondere Altreifen, die mit Erde befüllt werden, Plastik oder Dosen in den Zwischenräumen, um weniger Füllmaterialien (Zement) zu verbrauchen, Wände im Inneren mit „Flaschenziegeln“, die aus alten Flaschen hergestellt werden
  • Off-grid Stromversorgung, Photovoltaikmodul mit Batterie
  • Off-grid Wasserversorgung, Regenwasser als Frischwasser, Grauwasser für die Toilette.
  • Off-grid Wasserentsorgung, Abwasser in Abwassertank, Überlauf in Pflanzenbeete
  • Anbau von Nahrungsmitteln: Pflanzenbeete, Nährstoffe und Wasser aus Überlauf vom Abwassertank und aus Grauwasser
  • Kein Energieverbrauch für Heizung oder Kühlung, durch die Verwendung von gefüllten Reifen, sowie Erde, die um die Wände angefüllt wird. Dadurch entsteht viel Speichermasse, die für einen Temperaturausgleich sorgt. Zusätzlich wird Luftzirkulation erzeugt: die Luft wird durch die Erde geleitet, durch den Raum und über das Dach wieder abgeführt. Je nachdem ob in kaltem oder tropischen Klima gebaut wird, sind die Systeme unterschiedlich ausgeführt.

Inzwischen gibt es mehrere tausend Earthships auf der ganzen Welt, auch in Deutschland wurde ein Earthship in Süddeutschland in Tempelhof gebaut. Die meisten Earthships sind für kühles Klima konzipiert.

Um das Wissen über Earthships weiter zu geben gibt es in Taos in Neu-Mexiko, dem Hauptsitz der Fa. Earthship Biotecture, die Möglichkeit, eine vier Wochen dauernde Akademie zu besuchen. Diese besteht zur Hälfte aus theoretischem Unterricht und zur anderen Hälfte aus praktischen Arbeiten. Diese Akademien werden manchmal auch auf realen Baustellen durchgeführt. So wurde zum Beispiel das Earthship in Argentien in El Bolson im Rahmen einer Akademie gebaut. Ein ähnliches Projekt wird in Europa in diesem Sommer in Frankreich stattfinden.

Projekt in Kolumbien

In Kolumbien wurde der Fa. Earthship Biotecture ein großes Grundstück angebotenn (5 ha), das von einem Schweizer gekauft wurde, dessen Tochter Sarah auch für Earthship Biotecture arbeitet. Das Grundstück wurde für 30 Jahre an Earthship Biotecture geleast.
Das Grundstück liegt in einer Bucht mit Sandstrand, die nur mit dem Boot zugänglich ist. Das heißt, dass alle Baumaterialien, Maschinen und Lebensmittel mit dem Schiff angeliefert werden müssen.

Von der Anlegestelle, die je nach Seegang näher oder weiter von der Baustelle entfernt ist, muss alles mit einem Pferdewagen zum Fuß des Hügels transportiert werden.

Auf den Hügel hinauf führt ein schmaler Pfad, der sich in Serpentinen hinauf schlängelt. Für den Transport auf den Hügel müssen entweder starke Männer ran oder, wenn wir Glück hatten, waren die Maulesel zur Stelle.

Hier soll ein ganzes Earthship – Dorf entstehen, dass unter anderem auch dazu dienen soll hier regelmäßig Akademien für Interessierte aus Süd- und Mittelamerika durchzuführen. Im Rahmen des Workshops an dem ich teilgenommen habe sollte hier das erste Earthship errichtet werden. Das Haus ist allerdings sehr klein, erinnert eher an ein Wochenendhäuschen.

Mike Reynolds war vor dem Baubeginn einmal in Kolumbien gewesen, um sich das Grundstück anzusehen und hat entschieden, das Earthship auf einem Hügel bzw. an einem Hügel zu bauen. In dem Workshop soll in vier 4 Wochen ein Earthship mit einem Schlafraum gebaut werden. Das Gebäude wird in einen Hügel gebaut bzw. aus diesem herausgeschnitten. Dies sei die größte Herausforderung und so könnten sie am meisten lernen.  Mit der Größe der Steigung hat er sich allerdings stark verschätzt, so dass die Planung während des Bauens mehrmals geändert werden musste. Erschwerend kam hinzu, dass gerade Regenzeit war. In der Regenzeit regnet es zwar nicht immer, aber es gibt häufige und ergiebige Schauer, die unter anderem dazu führen, dass der Weg den Hügel hinauf völlig aufweicht und sehr rutschig ist. Dann ist es schwierig, die Baustelle überhaupt zu erreichen.

Teilnehmer aus aller Welt

An dem Workshop haben ca. 30 Personen teilgenommen, es war eine unglaublich interessante Mischung der verschiedensten Menschen aus sechzehn verschiedenen Ländern. Während wir hier zusammen arbeiten oder manchmal, wenn wir eigentlich sollten, auch nicht arbeiten, ergeben sich immer die spannendsten Gespräche. Es ist sehr verbindend, gemeinsam an diesem Projekt zu arbeiten und Ideen für künftige Projekte zu teilen. Einige wollen in Zukunft selbst ein Earthship bauen.

Earthship Team

Infrastruktur

Auf dem Grundstück gab es einige Wohnhäuser. In einem Haus haben die Teammitglieder der Earthship-Crew gewohnt. Hier gab es fließendes Wasser, das aus einem Fluss zum Haus geleitet wurde, sowie öffentliche Elektrizität für einige Stunden am Tag. Zusätzlich gab es einen Generator, der mit Diesel betrieben wurde, so dass immer Strom zur Verfügung stand. Die Teilnehmer des Workshops haben in ihren eigenen Zelten gezeltet. Es gab einige Komposttoiletten, die in der Woche vor dem Beginn des Workshops gebaut wurden.

Wohnen

Küche

Es gab eine im Freien errichtete, überdachte Küche und entsprechende Sitzgelegenheiten. Zum Mittagessen und Abendessen haben zwei Frauen aus der Umgebung für uns gekocht. Das Essen war abwechslungsreich und lecker.

Baustelle

Auf der Baustelle haben wir jeden Tag  von Montags bis Freitags von 8 Uhr bis 17 Uhr gearbeitet, zwischendurch gab es eine Stunde Mittagspause. An einigen Tagen habe ich nur halbe Tage gearbeitet oder auch mal einen Tag gar nicht. Zwischendurch gab es auch einiges an theoretischem Input, allerdings nicht soviel, wie viele von uns erwartet hatten.

In der ersten Woche wurden auf der Baustelle hauptsächlich die Mauern aus alten Reifen gebaut, dazu mussten die Reifen mit Erde gefüllt und in den Reifen verdichtet werden. Eine unglaublich anstrengende Arbeit. Ich habe es nur am Anfang mal ausprobiert, dann habe ich mich darauf beschränkt Erde zu schaufeln. Die Reifen gab es natürlich nicht vor Ort, sie mussten zunächst mit einem LKW von verschiedenen Stellen eingesammelt und dann mit dem Boot angeliefert werden.

Holzwerkstatt

Neben der eigentlichen Baustelle gab es noch mehrere andere Stationen an denen Teile gebaut wurden, die später eingebaut werden sollten. Eine beliebte Arbeitsstelle war die „Holzwerkstatt“. Dort wurden unter anderem alle Türen und Fenster sowie Teile des Lüftungskanals (der Auslass auf dem Dach) gebaut.

Metallarbeiten

Außerdem gab es ein schattiges Plätzchen, wo in der ersten Woche der Lüftungskanal gebaut wurde. Wir haben die Form aus Metall und Draht gebaut, diese wurde später in den Boden versenkt und mit Beton ausgeformt. Der Lüftungskanal hat später die Funktion, Luft aus der Umgebung anzusaugen. Wenn diese in Kontakt kommt mit der kühlen Erde, kühlt sich die Luft ab, sie wird dann durch eine Öffnung im Fußboden durch den Raum geleitet und über das Dach abgeführt. So soll der Raum durch den Luftstrom gekühlt werden.

Flaschenziegel

Eine weitere Arbeit, die einige Zeit in Anspruch nahm, war es, die Flaschenziegel herzustellen. Mit diesen werden später die Trennwände gebaut. Um Flaschenziegel herzustellen, wurden die Flaschen zunächst nach Form und Farbe sortiert und grob gereinigt. Anschließend wurde das obere Ende der Flasche abgesägt, der untere Teil wurde gereinigt und getrocknet und anschließend mit einem entsprechenden Gegenstück mit Klebeband zusammen geklebt.

Dachaufbau

Nachdem die Außenwände für den Schlafraum aus den gefüllten Altreifen hoch genug waren, wurde darauf das Dach gebaut, das aus mehreren Schichten aufgebaut ist.

Fertigstellung

Da ich in der letzten Woche des Workshops nicht mehr da war, konnte ich die folgende Bilder nicht selber machen. Freundlicherweise hat mir Lorenzo diese Bilder geschickt.

Es gibt noch so viele weitere Details zu berichten, die ich vielleicht später ergänzen werde. Ich erinnere mich gerne an die Zeit zurück, es war auch jeden Fall eine außergewöhnliche Erfahrung, bei der ich sehr viel gelernt habe.

2 Gedanken zu “Earthship Workshop Kolumbien

  1. Hola Bettina

    Super Fotos. Vielen Dank für die Zusammenfassung.
    Vielen Dank auch, dass Du und weitere Projektmitarbeiter uns im HOSTAL CAPURGANA besucht haben.
    Auch die Köchin vom Retaurant freute sich sehr, dass Ihr mehrmals bei uns gegessen habt.

    Zur Zeit bin ich der einzige Schweizer, der permanent hier in Capurgana lebt.
    Wie bekannt betreiben wir das HOSTAL CAPURGANA und helfen mit Informationene wenn benötigt.
    Ich sprech CH-Deutsch, Englisch und Spanisch.

    Gerne helfen wir Besuchern, die das Earthship Projekt besuchen wollen. Wir sind auf Tripadvisor und Booking.com vertreten.

    Freuen uns auf alle Besucher.
    Silvio, Hostal Capurgana, Capurgana

    Wichtig:

    Bis heute gibt es keinen ATM, Geldautomaten in CAPURGANA.
    Bei uns kann man mit der Kreditkarte bezahlen.

    Es gibt bis jetzt auch nicht 24 Stunden Strom. Unbedingt Taschenlampe oder ähnliches mitbringen.

  2. Hallo Bettina! Dies ist ein super zusammengfassung unseres Workshop im Kolumbien.

    Es war wirklich ein toller Zeit mit dir da und allem andere.

    Ich freue mich sehr deine Fotos zu sehen und deine Meinung zu lesen. Wir haben echt viel bei diese Erfahrung gelernt .

    Danke für alles !!

    Liebste Grüsse aus Brasilien =))

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