Gambhira – Yoga und Meditation

22.4.2017 – 25.4.2017

Mit Bus und Mototaxi bin ich vom Büro der Agentur in Santa Marta nach Gambhira gefahren und war ca. 1 Stunde später da. Dort gab es das Angebot als Freiwillige vier Stunden am Tag zu arbeiten und dafür an den Yoga und Meditationsangeboten teilzunehmen, außerdem sollten nachmittags bzw. abends noch spezielle Workshops stattfinden, die man besuchen konnte. Für die Übernachtung in einfachen Hütten fielen 10 Euro an.

Tagesplan

Es waren noch einige andere Freiwillige dort, viele haben vorher nicht gewusst, dass es sich um eine HareKrishna Gemeinschaft handelt. Wie viele Menschen in der Gemeinschaft leben weiß ich nicht, schätzungsweise zwischen 8 und 12 .

Am Abend haben wir an einer Feuerzeromonie teilgenommen, die eine reinigende Wirkung haben soll, weil es vor einigen Wochen einige Diebstähle auf dem Gelände gegeben hatte. Man vermutet die Täter in der Nachbarschaft. Das ganze wirkte auf mich einerseits sehr esoterisch hatte aber auch etwas Feierliches und Verbindendes.

Am nächsten Tag wurde die Feuerzeremonie am frühen Morgen auf einem Berg wiederholt. An diesem Ort war es sehr schön.

In Gambhira gab es einen sehr geregelten Tagesablauf und zwischen dem Frühstück ab 9 Uhr bis zum Mittagessen um 13:30 Uhr haben wir unsere Freiwilligenarbeit gemacht. Die Arbeit wurde nach dem Frühstück verteilt. Ich habe an einem Mosaik an der Wand im Badezimmer gearbeitet, das wollte ich schon immer mal machen, alternativ hätte ich in der Küche arbeiten können. Die Arbeit war trotz der Hitze erträglich, es war ein schattiges Plätzchen im Bad, wir haben dort zu zweit gearbeitet und konnten uns unterhalten.

Am ersten Tag wurde das Yoga wegen der Feuerzeremonie auf den Nachmittag verschoben. Es war heiß, die Sonne schien in den offenen Raum und ich habe mich daran erinnert, dass Yoga mir eigentlich noch nie besonders viel Spaß gemacht hat. Ich würde das gerne können, und würde gerne beweglicher sein, aber weil mir die Bewegungen so schwer fallen, macht es mir keinen Spaß. Obwohl uns gesagt wurde, wir sollen unseren Körper so akzeptieren wie er ist, fiel mir das schwer und ich habe nur meine körperlichen Unzulänglichkeiten wahrgenommen. Das Einzige, was mir am Yoga gefällt sind die Entspannungsübungen. Das was ich gerne lernen bzw. praktizieren möchte ist Meditation, diese wurden aber während der drei Tage, die ich da war, kaum angeboten. Nur an einem Nachmittag gab es einen sehr inspirierendes Angebot, dass sich Tanzmeditation bzw. therapeutisches Tanzen nannte. Es ging darum, bestimmte körperliche Erfahrungen mit entsprechenden Gedanken und Gefühlen zu verknüpfen. Das war eine intensive Erfahrung.

Ich habe schon vor einiger Zeit angefangen zu meditieren und benutze dazu die App 7minds. Wenn möglich, mache ich das jeden Morgen für ca. 10 Minuten. Ich hatte gehofft, hier noch andere und längere Meditationen kennenzulernen.

Zwischendurch gab es Gespräche und Diskussionen, dabei waren die wichtigsten Erkenntnisse für mich:

  • Man kann nicht alleine aus Büchern oder Gesprächen lernen, in erster Linie ist die eigene Erfahrung wichtig. Das klingt so banal, aber als Vielleserin glaube ich auch, aus Büchern alles lernen zu können, aber wenn man nicht auch ins Handeln kommt, ist das Wissen aus Büchern nicht viel Wert.
  • Jedes Lebensalter bzw. Lebensstufe (Kindheit, Jugend, Ausbildung, Familienleben, Alter etc.) hat seine jeweils eigenen Ziele und Aufgaben. Diese zu kennen und umzusetzen ist wichtig.
    Dabei stellt sich natürlich die Frage, wie man herausfindet, was für Ziele das sein könnten. Was ist es, was man wirklich machen möchte. Diese Frage stellt sich mir auch ständig auf meiner Reise. Ich kann machen wozu ich Lust habe oder was ich für sinnvoll halte. Aber wozu habe ich denn eigentlich Lust, mit welchen Menschen fühle ich mich wohl, in welcher Umgebung fühle ich mich wohl, was für Aktivitäten mache ich gerne, was möchte ich gerne Neues lernen usw.? Das schöne daran viel Zeit zu haben und auf Reisen zu sein ist, dass ich vieles einfach ausprobieren kann und dabei zu wichtigen Erkenntnissen komme.

Ich habe in Gambhira auch einige interessante Menschen kennengelernt:

  • Ein kolumbianischer Lehrer aus Cali, der in Medellín Spanisch und Englisch unterrichtet. Er ist für 4 Wochen in Gambhira und hat an einem speziellen Programm teil genommen. Er war auch schon in Deutschland gewesen und sprach einige Brocken Deutsch. Er liebt klassische Musik und die deutschen Philosophen. Als er in Deutschland war, war er in Berlin bei einem Konzert in der Philharmonie. Dort hat er sich als junger Latino inmitten des grau beschopften Bildungsbürgertums etwas fremd gefühlt.
  • Ein junges Paar, dass hier auf der Durchreise war, sie waren gerade aus Venezuela geflohen, wo die Situation sehr schlimm ist. Sie waren glücklich, jetzt in Kolumbien zu sein, nachdem sie viel Schmiergeld an Polizei und Grenzsoldaten bezahlen musste. Hier wollen sie sich ein neues Leben aufbauen.
  • Ein Spanier, der 10 Jahre in Deutschland gelebt hat und fließend Deutsch spricht. Er hatte bis vor kurzem in Bogotá gearbeitet, dann seinen Job gekündigt und ist jetzt auf Reisen, insbesondere auch, um sich zum Thema Permakultur weiterzubilden.

In Gambhira habe ich Jana und Clare kennengelernt, die wie ich etwas unentschlossen waren, ob sie noch länger in Gambhira bleiben sollten oder weiterreisen und wenn weiterreisen, wohin. Jana hatte nur noch einige Tag Zeit bis sie nach Panama weiterfliegen wollte, während Clare an der Küste entlang Richtung Ecuador reisen wollte, von wo ihr Flug zurück nach Europa ging. Am Abend vor unserer Abreise kam eine neue Freiwillige in Gambhira an, die uns von Riohacha erzählte, wo sie für einige Zeit in einem Hostel gearbeitet hatte und uns von der beeindruckenden Wüsten- und Küstenlandschaft in Cabo de la Vela und Punta Gallinas erzählt hatte. Über das Hostel könnte man die Tour unabhängig von teuren Agenturen selbst durchführen. Wir drei haben spontan entschieden, dass das jeder von uns gut passen würde und sind am nächsten Tag gemeinsam nach Riohacha abgereist. Dort haben wir eine Nacht in dem Hostel Bona Vida, das einem Österreicher gehört, verbracht und am nächsten Tag die dreitägige Tour begonnen.

1 Gedanke zu “Gambhira – Yoga und Meditation

  1. Toll! Ich auch Sabatical haben wollen. Kurze News aus HH: beim HSV siehts mau aus! Muß man doch wissen, wenn man H ist 😊

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