Hornopirén-Langer Aufenthalt

29.12.2016-12.1.2017: Ich war fast zwei Wochen in Hornopirén, ein kleiner Ort, in dem überhaupt nichts los ist. Für die meisten Reisenden ist der Ort nur ein Fährhafen, in dem man vielleicht eine Nacht verbringt um am nächsten Morgen mit der Fähre weiterzufahren. Wieso bin ich dort so lange geblieben?

Schöner Ort

Am Anfang gefiel mir der Zeltplatz. Für mich war es ein magischer Ort. Die einzelnen Plätze lagen alle direkt im Regenwald und das Café mit vielen interessanten Büchern zu Patagonien hatte eine tolle Lage direkt am Meer.

überdachter Zeltplatz im Regenwald
Zugang zum Café
Café mit Meerblick
Blick auf das Meer
Blick auf das Meer
Sonnenuntergang, Blick vom Café
Sonnenuntergang, Blick vom Café

Alles machte einen improvisierten, sympathischen und alternativen Eindruck. Irgendwie zieht mich sowas immer an. So gab es auch einen großen Garten, ein Wasserrad zur Stromerzeugung (leider nicht funktionsfähig), eine Fahrradwerkstatt (Fahrradverleih) und es wurden Tiere gehalten (ein Schwein und Kaninchen). Ich hatte den Eindruck einen Ort gefunden zu haben, der sehr versteckt ist und schwer zu finden.

Wasserrad zur Stromerzeugung und Refugio zum Übernachten
Wasserrad zur Stromerzeugung und Refugio zum Übernachten

Freiwilligenarbeit

Als ich noch in Afrika war hatte ich immer wieder nach Orten gesucht, an denen ich Workaway machen kann. Ich wollte mal wieder was anderes machen als immer nur von einem Ort zum nächsten zu reisen. Ich wollte mich in einem sinnvollen Projekt nützlich machen und dabei auch meine Sprachkenntnisse verbessern. Nachdem ich Sarah und Scott kennengelernt hatte, die hier auch schon gearbeitet hatten, und ich auch mit Robert über die Möglichkeit, gesprochen hatte, hier zu arbeiten, habe ich mich entschlossen ab Montag für ein oder zwei Wochen hier zu arbeiten. Mir gefiel es hier gut, es war ein weitgehend spanischsprachiges Umfeld, und ich hatte den Eindruck, dass ich mich hier in vielen Bereichen nützlich machen kann. Es schien, als würde Robert hier alles alleine machen und dass dabei einiges liegen bleibt.

Am Neujahrstag gab es Abends ein schönes familiäres Essen mit einigen Verwandten, es wurde ein halbes Lamm auf dem offenen Feuer gegrillt. Das war ein schöner Abend, an dem ich die ganze Familie kennengelernt habe und als zukünftige Freiwillige vorgestellt wurde.

Mit Robert habe ich von Anfang an gerne zusammengearbeitet weil wir die verschiedenen Arbeiten zusammen gemacht und uns dabei gut unterhalten haben.
Später hatten wir einige Kommunikationsprobleme. Er geht von bestimmten Dingen aus, die er mir aber nicht sagt, erwartet aber, dass ich es trotzdem weiß. Zum Beispiel, dass viele der Arbeiten, die wir in den ersten Tagen gemacht haben, Routinearbeiten sind, die ich jetzt jeden Tag oder je nach Notwendigkeit selbständig erledigen soll.

Ich mache eigentlich nur gerne Freiwilligenarbeit, die ich als selbstbestimmt empfinde. Lästige Routinearbeiten habe ich keine Lust zu machen. Ich brauche sinnvolle kleine Projekte, in die ich meine Erfahrung und mein Wissen einbringen kann. Zum Teil war die Arbeit auch körperlich anstrengend, z.B. mit der Machete, die Pflanzen, die in die Zufahrtsstraße hinein wachsen, zu entfernen.

Nach einer Woche hatte ich jedenfalls genug und auch in Zukunft werde ich diese Art von Freiwilligenarbeit nicht mehr machen. Ich habe gemerkt, dass mir diese Art von Arbeit aus verschiedenen Gründen nicht gut tut. Es gibt ja auch viele andere Arten der Beschäftigung, wenn man mal länger an einem Ort bleiben will. Am Montag den 9.1.2017 wollte ich weiter Richtung Süden fahren.

Am Samstag, den 7.1.2017  habe ich einen Spaziergang zur Fähre gemacht, wo ich gleich wieder Reisefieber bekam.

Für Motorradfahrer ist die Carretera Austral auch ein beliebtes Ziel
Auch für Motorradfahrer ist die Carretera Austral ein beliebtes Ziel

Am Nachmittag gab es eine Veranstaltung in Hornopirén, zum Auftakt der Tourismussaison. Dort hatte „Patagonia el Cobre“ auch einen Informationsstand und hat kurze Kayak-Ausflüge angeboten. Ich habe beim Auf- und Abbau mitgeholfen.

Infostand
Kayak für alle

Sattelklemmschelle

Zu der Veranstaltung wollte mit meinen Rad kommen, dass jetzt seit einigen Tagen im Fahrradschuppen stand. Dabei fiel mir wieder ein, dass der Sattel für mich etwas zu hoch eingestellt war. Mit der Sattelbefestigung hatte ich schon vorher Probleme gehabt, allerdings hatte ich bis jetzt noch nicht genau verstanden, was genau das Problem war. In der letzten Ferreteria zwischen Puerto Varas und Puerto Montt wollte ich eigentlich nur ein stärkeres Werkzeug, um die Schraube richtig festzuziehen. Dort findet sich dann immer gleich jemand, der sich des Problems annimmt. Er hat versucht, mit anderen Schrauben und Befestigungen die vorhandene Schraube zu ersetzen, hatte aber nicht die richtigen Teile zur Verfügung. Irgendwie hat er es dann geschafft, die vorhandene Schraube so fest anzuziehen, dass der Sattel sich nicht mehr nach unten bewegt hat. Leider war der Sattel dann aber doch ein kleines Stück zu hoch.

defekte Sattelklemmschelle

Bevor ich zu der Veranstaltung gefahren bin wollte ich den Sattel etwas niedriger stellen. Ich konnte die Schraube auch lösen, dann allerdings nicht mehr zuziehen. Der Sohn von Robert, der sich um die Fahrräder kümmert, meinte es läge an der beschädigten Imbusöffnung der Schraube. Ich habe dann festgestellt, dass das Gewinde der Sattelklemmschelle beschädigt ist und bei erhöhter Belastung durchdreht. Ich habe Robert dann von dem Problem erzählt und auch mit Wolfi und Norbert darüber gesprochen. Mit Robert habe ich versucht, mit vorhandenen Ersatzteilen das Problem zu lösen. Das war aber nicht möglich und wir mussten bis Montag warten. Dann könnten wir zu Carlos, einem Freund von Robert, gehen, der eine Metallwerkstatt hat. Prima, hörte sich gut an.

Am Montagmorgen sind wir gegen 10 Uhr in die Werkstatt gefahren. Carlos wollte ein neues Gewinde schneiden, hatte aber nicht die passenden Gewindebohrer, woraufhin wir erstmal alle anderen Werkstätten und Läden abgeklappert haben. Da waren wir mal mindestens eine Stunde unterwegs und es war sehr interessant für mich, das alles zu sehen. Leider habe ich keine Fotos gemacht. In einer Werkstatt wurden wir schließlich fündig und konnten uns die Gewindebohrer ausleihen. Also zurück in die Werkstatt, Gewinde bohren und Gewindebohrer wieder zurückbringen. Das Gewinde sei nach Carlos Auskunft ein Standardgewinde. Für die Schraube hatten wir einen vorhandenen Sattelklemmschnellspanner vorgesehen, der von Carlos noch etwas nachbearbeitet wurde. Wie sich später rausstellte, war das Teil von minderer Qualität und konnte der Belastung beim Schließen der Schraube nicht standhalten. Auch eine einfache Schraube evtl. mit Mutter konnte in dem ganzen Ort nicht aufgetrieben werden. Es schien verhext, ein eigentlich einfaches Problem schien schwer zu lösen. Am nächsten Morgen hat Robert noch eine Werkstatt aufgesucht, um ein Metallstück als Ersatz für den Schnellspanner an die Schraube schweissen zu lassen. Aus irgendeinem Grund, an den ich mich gar nicht mehr erinnern kann, hat das auch nicht funktioniert. Jetzt hatten wir schon 2 halbe Tage mit diesem Mist verbracht.

Ich musste mich schon langsam mit dem Gedanken anfreunden, ohne Fahrrad weiter zu reisen. Robert hätte mir sogar einen Rucksack ausgeliehen. Der rettende Einfall kam dann von Roberts Sohn, der mir einen Fahrradladen  in Puerto Montt nannte, der das fehlende Teil sicher vorrätig hätte. Per Email wurde mir das auch bestätigt. Den Mittwoch habe ich dann mit der Hin- und Rückreise nach Puerto Montt verbracht. Der Bus fuhr um sieben Uhr morgens und abends gegen 19 Uhr war ich mit der benötigten Befestigung wieder zurück.

dieser kleine Radladen in Puerto Montt hat das entscheidende Ersatzteil
Toller Laden

Abends habe ich dann meine Taschen gepackt um die erste Fähre um 8:30 Uhr zu nehmen. Endlich konnte ich weiterreisen und habe mich auf die vor mir liegende Radreise gefreut. Ich fühlte mich jetzt ausreichend ausgerüstet und vorbereitet.

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