Johannesburg

Leider habe ich bisher  von unserer Marokkoreise noch nichts geschrieben, vielleicht werde ich noch nachträglich einige Beiträge schreiben. Seit gestern morgen bin ich in Johannesburg. Ich wohne in einem coolen Hostel, dass in einem sehr hippen Viertel liegt, erinnert etwas an New York. In der Nähe sind viele trendige Lokale, Galerien und Kneipen. Im Hostel ist auch eine Kneipe, wo sich abends auch Leute aus der Umgebung treffen. Alle sind sehr nett, offen und sehr kommunikativ. Man kann draußen sitzen und die angenehm warmen Temperaturen genießen. Allerdings stehen hier an jeder Ecke Security-Kräfte, die durch eine private Firma gestellt werden,  um den ganzen Bereich, den sogenannten Maboneng-Precinct, zu schützen.

Heute vormittag habe ich an einer geführten Tour durch das bekannte Township Soweto (South Western Township) teilgenommen. Wir wurden im Hostel mit Kleinbussen abgeholt und haben einen kleinen Eindruck von den harten Lebensumständen bekommen. Soweto ist 1904 gegründet worden und ist heute in 8 verschiedene Distrikte eingeteilt. Schätzungsweise leben hier zwischen 3,5 und 5 Millionen Menschen, von denen viele täglich mit Zügen und Bussen nach Johannesburg zum Arbeiten pendeln. Laut meinem Reiseführer ist es die reichste Township in Südafrika mit einer wachsenden Zahl von Millionären, andererseits gibt es auch bittere Armut. Auch zwei Friedensnobelpreisträger kommen aus Soweto (Nelson Mandela und Desmond Tutu).

Hütten in Soweto mit Stromversorgung (illegal)
Hütten in Soweto mit Stromversorgung (illegal)
Kühltürme, bekannte Wahrzeichen
Kühltürme, bekannte Wahrzeichen

Zwischen den bescheidenen Hütten gibt es auch kleine Läden, dieser wird schon seit 50 Jahren von dem gleichen Eigentümer betrieben. Der alte Mann gab uns den Rat länger hier in Soweto zu bleiben, mindestens mal zwei Wochen um wirklich was zu sehen, wir seien wie Grashüpfer, die von einem Ort zum anderen springen, ohne wirklich etwas zu verstehen.

80-jähriger Mann, der seit 50 Jahren seinen Laden betreibt
80-jähriger Mann, der seit 50 Jahren seinen Laden betreibt
bessere Häuser

 

 

Dorfstraße
Dorfstraße
Dixi-Toiletten
Dixi-Toiletten
Plausch unter Nachbarinnen
Plausch unter Nachbarinnen
Wege, die verschlammen, wenn es regnet
Wege, die verschlammen, wenn es regnet
kleine Insel für die Kinder, abgetrennt mit starkem Zaun

Wir sind auf ein Gelände gefahren, dass mit einem starken Zaun gesichert war, dort befand sich unter anderem ein Kindergarten.

Eingezäuntes Kindergartengelände
Eingezäuntes Kindergartengelände
Kinder essen gemeinsam
Kinder essen gemeinsam (besser ein schlechtes als gar kein Bild)
Unterkünfte für Freiwillige, die helfen können, die Kinder zu betreuen
Unterkünfte für Freiwillige, die helfen können, die Kinder zu betreuen
Hilfsprojekt
Hilfsprojekt

Von dem Hilfsprojekt „Little Rose“  wird ein Kindergarten, eine Bibliothek, ein Computerlernraum und ein Jugendtreff mit vielfältigen Aktivitäten betrieben. Es handelt sich dabei um eine private Initiative für die es keinerlei stattliche oder kirchliche Unterstützung gibt. Seit 2010 gibt es auch eine Möglichkeit Freiwillige unterzubringen, sowie eine Wohnmöglichkeit für Kinder, die entweder Waisen sind, oder deren Eltern sich nicht um die Kinder kümmern können. Es gibt aber nur Platz für 24 Kinder, obwohl der Bedarf viel größer wäre.

Bücherei
Bücherei
Computerlernraum
Computerlernraum
Spielplatz
Spielplatz

Diese fleißige Frau näht Taschen und andere Dinge, mit deren Verkauf, Gelder für die Finanzierung des Hilfsprojektes gesammelt werden.

Näherin
Näherin
Taschen und aus Recyclingmaterialien hergestellte Produkte
Verkauf der Taschen und aus Recyclingmaterialien hergestellte Produkte

Als nächstes haben wir den sehr geschichtsträchtigen Hector Pieterson -Platz besucht. Hier starb am 16.Juni 1976 der 13-jährige Schüler Hector-Pieterson nachdem die Polizei brutal auf demonstrierende Schüler geschossen hat, die sich am 16.Juni 1976 zu Protesten versammelt hatten. Der Protest richtete sich gegen die Entscheidung der Regierung die Sprache Afrikaans generell als Unterrichtssprache einzuführen. Die schwarzen Schülerinnen und Schüler, die diese Sprache zum Teil kaum beherrschten, sahen sich dadurch ihrer Chancen im Bildungssystem beraubt.

Hector-Pieterson Denkmal
Hector-Pieterson Denkmal

Neben Hector Pieterson starben an diesem Vormittag noch 6o andere Schüler und im Verlauf der weiteren Proteste, die als Schüleraufstand von Soweto in die Geschichte eingegangen sind, starben insgesamt 600 Personen. Es führte zu lange andauernden, landesweiten Protestaktionen gegen die rassistische Bildungspolitik und das gesamte Apartheidsregime des Landes. Von Nelson Mandela wurde der Bau eines Museums an dieser Stelle veranlasst, das an die Ereignisse dieses Tages erinnert und viel Foto – und Videomaterial zeigt. Seit 1995 ist der 16. Juni ein nationaler Feiertag und wird als Tag der Jugend begangen.

Am Schluss haben wir noch einen Spaziergang zum Nelson-Mandela Haus gemacht. Hier lebte Nelson Mandela mit seiner Frau Winnie in den späten 1950er – und frühen 1960er- Jahren. Heute ist hier ein kleines Museum untergebracht.

Nelson Mandela Haus
Nelson Mandela Haus

Auf dem Rückweg sind wir noch an dem größten Stadion Afrikas vorbeigekommen.

Soccer City
Soccer City

Insgesamt ein sehr beindruckender Ausflug zu sehr geschichtsträchtigen Orten. Hier noch ein kritischer Artikel zum „Slumtourismus“.

2 Gedanken zu “Johannesburg

  1. Schön wieder etwas von dir zu hören. Ich las gerade einen sehr interessanten Bericht über erste Eindrücke – und der ältere Mann hat recht – wir sind oft nur Grashüpfer mit Momentaufnahmen; aber besser solche kurzen Eindrücke mit aufzunehmen als gar keine. Die Fotos wirken tief und laden zum Verweilen ein. Mit ihnen werden ja auch Erinnerungen wieder wach.
    Ich selbst bin wieder auf dem Sprung zurück aus der Toskana nach Bühl, meine Eindrücke, die ich hier hinterließ sind eher profaner Natur, einige Bäume mussten fallen, da sie die Sicht aufs Dorf und das Licht für die Olivenbäume nahmen.
    Grüße Klaus
    PS: Bin auch gespannt auf deine Eindrücke und Erfahrungen in Marokko!

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