Medellín

Fr, 17.3.2017: Nach dem Frühstück sind wir mit dem Taxi zum Busbahnhof gefahren, um mit dem Bus nach Medellin zu fahren. Die Fahrt ging wieder durch die Berge, immer hoch und runter,  und hat ca. 5 Stunden gedauert. Ich hatte keine genaue Vorstellung, wo ich wohnen wollte, habe aber gemerkt, dass ich keine Lust mehr auf Hostels hatte. Ich wollte lieber in einem normalen Wohnviertel, bei Einheimischen wohnen. Im Bus habe ich ein Zimmer über Airbnb bei Claudia gefunden. Vom Busbahnhof war es nicht sehr weit, ich habe ein Taxi genommen, wie mir Claudia empfohlen hatte. Der Taxifahrer hatte leider keine Ahnung, wo er hinfahren musste. Mit Hilfe einer meiner Nagivations-Apps habe ich ihm dann den Weg erklärt. Die Wohnung von Claudia war im neunten Stockwerk eines Hochhauses, auf den ersten Blick schien mir die Lage nicht ganz perfekt, in direkter Umgebung gab es nur ein Einkaufszentrum.

Blick aus dem Fenster

Abends ist Claudia noch mit mir ausgegangen. Im Stadtteil El Poplado (in der auch ihre Wohnung liegt) gibt es in der sogenannten „Zona Rosa“ unzählige Cafés, Bars und Restaurants. Wir sind zu Fuß dorthin gegangen, was für mich ein kleines Abenteuer war. Zunächst sind wir am Rand von autobahnähnlichen Schnellstraßen entlang gelaufen. Dabei haben wir auch einen einsamen, am Rand mit Bäumen bepflanzten, Pfad passiert. Dieser war zwar beleuchtet hatte aber durch die Bäume auch etwas Unheimliches.  Selbst in Deutschland hätte ich mich nachts auf so einem Pfad nicht wohl gefühlt, in Medellín, einer als gefährlich geltenden Stadt, fühlte sich das richtig unheimlich an.

Auf meine Frage, ob sie denn keine Angst hätte, meinte sie, Gott und die Engel seien mit uns. Dass Kolumbien ein sehr katholisches Land ist sollte mir noch öfters auffallen, schon im Bus hatte ich die großen, religiösen Bilder gesehen.

Später sind wir auf breiten Fußwegen entlang amerikanisch anmutenden, vierspurigen Straßen gelaufen, die von großen Hotels, Einkaufszentren und Ladenlokalen bekannter Ketten wie Starbucks und McDonalds gezäumt waren. Nach einem Fußmarsch von ca. 20 bis 30 Minuten waren wir am Ziel, und befanden uns in einer lauten Partyzone, von allen Seiten schallte Musik aus den Lautsprechern. In dem ersten Lokal, in dem wir Platz genommen hatten, wurde uns unaufgefordert und kostenlos ein Drink serviert (Tequila mit Orangensaft). Es war so laut, dass wir uns leider kaum unterhalten konnten.  Als wir dabei waren, das Lokal zu wechseln, hörte ich meinen Namen. Antonia und Johanna, zwei junge Frauen als Deutschland, die auch an der Kaffeetour in Salento teilgenommen hatten, standen plötzlich vor mir. Welch ein Zufall. Wir sind dann zu viert weitergezogen, haben gemeinsam was getrunken und uns für den nächsten Tag zu einem gemeinsamen Stadtrundgang verabredet.

Sa, 18.3.2017:

Arepa, kolumbianische Maisfladen

Der Tag begann mit einem typisch kolumbianischen Frühstück, es gab Arepa mit Käse und Rührei. Arepas sind Maisfladen, die meistens fertig gekauft werden, und im Ofen erwärmt werden. Für meinen Geschmack sind sie etwas zu trocken.

Mit Antonia und Johanna haben wir uns an der U-Bahn Station San Antonio im Stadtzentrum verabredet. Die U-Bahn ist sehr modern und der Stolz der Stadt. Vor allem setzt die Stadt sich damit gegen Bogotá ab, das nur ein Bussystem hat, das während der Hauptverkehrszeiten völlig überlastet ist.

Moderne U-Bahn

Wir sind gemeinsam durch das Stadtzentrum gelaufen, das, wie auch das Zentrum in Bogotá, als unsicher gilt. Besonders abends und nachts. Am Ende unseres Rundgangs fragte Claudia uns, ob wir nicht gerne fotografieren würden. Wir waren alle zu verängstigt gewesen, um unsere Kameras rauszuholen, was für Claudia wohl nicht nachvollziehbar war. Von dem schönsten Platz in der Innenstadt gibt es auch bei Google schöne Bilder.

Mit der Straßenbahn sind wir zu einer Seilbahn gefahren, die die am Hügel liegenden Armenviertel erschließt. Dadurch haben sich die Lebensverhältnisse der Bewohner sehr verbessert, weil die täglichen Wege in die Stadt und wieder zurück sich sehr verkürzt haben.

Moderne Seilbahn für die Armenviertel
Straßenbahnhaltestelle
Seilbahn
Am Hang liegende Stadtviertel
Meine Gastgeberin Claudia

Das Highlight des Tages war der Besuch bei der Mutter von Claudia, die in der Nähe der Straßenbahnhaltestelle wohnte. Sie hat uns alle zum Mittagessen eingeladen. Sie war eine sehr herzliche Frau, und hatte das gleiche offene und fröhliche Lachen wie ihre Tochter. Nach dem Essen haben wir noch eine Weile auf der Dachterrasse zusammengesessen. Es gab einen großen Baum vor dem Haus, der auch vielen Vögeln ein Zuhause bot.

19.3.2017: Am nächsten Tag habe ich das „Museum der Erinnerung“ besucht, das an die Opfer der langanhaltenden gewaltsamen Auseinandersetzung in Kolumbien und besonders in Medellín erinnert. Das war für einen ersten Einblick in dieses Thema sehr interessant. Anschließend bin ich in die „Zona Rosa“ gefahren, um dort die Cafés während des Tages zu genießen. Ich habe die Zeit genutzt, um im Internet nach einer Sprachschule zu suchen, weil ich gerne einen zweiwöchigen Spanisch-Kurs machen wollte. Allerdings war ich mir nicht sicher, ob ich das in Medellín machen wollte. Die Stadt, von der ich vorher soviel Gutes gehört hatte, hat mir bisher noch nicht so richtig gefallen, vor allem wegen der schlechten Luft und dem Gefühl von Großstadt. Ich sehnte mich mehr nach einem ruhigeren Ort mit mehr Natur. Durch Zufall bin ich auf die Sprachschule Spanish Adventure  gestoßen, die in dem kleinen Ort San Carlos liegt, vier Busstunden östlich von Medellín. Dort bin ich jetzt schon seit fast 2 Wochen und verspüre wenig Lust weiter zu reisen, weil es mir hier so gut gefällt.

Ich hoffe Dir hat mein Beitrag gefallen, über einen Kommentar würde ich mich sehr freuen.

 

10 Gedanken zu “Medellín

  1. Hallo Bettina,
    sitze mal wieder in der Schule und habe nichts zu tun – nach einem arbeitsintensiven Wochenende rund um unser jährliches Schufest.
    Habe mich schon längere Zeit nicht mehr gemeldet, aber stets mit viel Interesse deine Berichte verfolgt und die Fotos bewundert; ich denke dabei an das eine Bild auf einem Inselbesuch mit Seelöwen verschlungen mit und auf einem Felsen. Unglaublich beeindruckend empfinde ich deine Erlebnisse und immer wieder bewundere ich auch deine Kontakte, die dich auf deiner Reise begleiten und auch Reise technisch beeinflussen.
    Ich war ein bisschen krank – zu meiner eigenen Überraschung – nun sehne ich mich dem Ende entgegen – natürlich dem schulischen. Am 26.07. wird Abschied gefeiert!
    Natürlich plane ich meine Reise schon längst, warte aber immer noch auf mein Pinion-Fahrrad, das sich noch in Reparatur befindet. Am Freitag fahre ich mal wieder in die Toscana Feuerholz sägen.
    Weiterhin Freude am Reisen oder Verbleiben
    Klaus

  2. Hi Betty, zum Glück bist Du nicht meine Tochter, ich wäre doch äußerst besorgt!!! Immer muy interessante, was Du berichtest. Bin ja mehr so der stille Leser … Viel Glück und Spaß weiterhin, beneide Dich sehr. LG Joe

  3. Hallo Betty,
    wir haben gestern bei Maike & Bernd von Deiner Reise erfahren. Ist ja unglaublich beeindruckend und mutig so etwas alleine zu machen.
    Viele Grüsse von Ulrike & Wolfgang

  4. Äh, Ulrike? Schon da. Mmmh. Wie, bei Bernd und Maike erfahren. Komplett in die Mangel genommen hast Du mich, bis in die letzten Details. Eine echt harte Nummer, wohl entsprechend Deinem Naturell. Aber wie ich sehe setzt Du dich mit der Sache auseinander. Sehr gut. Dann würde ich sagen – bis bald. Gerne auch mal beim Diner mit Wolfgang, dem ausgeleichenden Character an Deiner Seite, in Frankfurt / M.. Grüsse, Wolfi

  5. Hallo Bettina, sehr interresant was du so alles erlebst, macht wirklich Spaß es zu lesen. Wir waren uns übrigens schon lange nicht mehr so nah, wir sind zur Zeit in der DomRep. Aber nur noch 2Tage, dann geht wieder zurück. Du wirst dich wundern, was es alles neues geben wird, wenn du im Sommer wieder da bist. Wir wünschen dir noch alles Liebe und Gute, viele noch neue Erlebnisse und ein gutes Restsabbatjahr bis zu unserem Wiedersehen
    Gruß Thomas und Jutta Tschakert

    • Hallo Thomas, hallo Jutta,
      es freut mich, dass ihr meinen Blog gerne lest. In der DomRep war es wahrscheinlich auch so heiß wie hier. Bin gespannt, was es alles Neues geben wird. Ich würde mich auch schon vorher über entsprechende Informationen freuen.
      Liebe Grüße
      Bettina

  6. Hallo Wolfi,
    tut mir leid, wenn ich zu harte Fragen an Dich gestellt habe, aber ich bin nun mal sehr direkt. Wir wünschen Euch beiden ein frohes Osterfest und natürlich können wir uns gerne mal zum Dinner treffen oder Du kommst mal bei uns vorbei.
    Liebe Grüsse von Ulrike & Wolli

  7. Hallo Ulrike, kein Problem. Immer interessant wie die Leutis so reagieren. Breites Spektrum.
    Gerne wieder, auf jeden Fall.
    Grüsse, Wolfi

  8. Hallo liebe Bettina 🙂 Schön, Deine Reise zu verfolgen und ganz glücklich, auch ein Teil davon zu sein! 🙂 Ich hoffe, es geht Dir gut und Du hast eine ganz wunderbare Zeit! Und denke immer daran: YOLO! 😉

    Liebe Grüße aus Mannheim
    Johanna

    • Liebe Johanna,
      schön von Dir zu hören, bin gerade auf San Andrés bzw. Providencia, eine kleine Karibik-Insel in the middle of nowhere.
      Wunderschön hier. Habe hier einen Ort mit WLAN und Strom gefunden, und hoffe heute mindestens 2 neue Blog-Beiträge zu schreiben. Freut mich sehr, dass Du ein Teil meiner Reise bist.
      Liebe Grüße
      Bettina

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