Nablus-Stadtrundgang

Am 22. Oktober 2014 haben wir am Vormittag einen Rundgang durch die Stadt Nablus gemacht. Nablus ist eine palästinensische Stadt im sog. A-Gebiet. Die Stadt steht damit sowohl zivilrechtlich als auch militärrechtlich unter palästinensischer Verwaltung. Wir wurden von Majdi Shella, der uns als Gewerkschafter und Netzwerker in unserem Reiseprogramm vorgestellt wurde,  durch die Stadt geführt. Von unserem Hotel, dem Yasmeen Hotel, das mitten in der Altstadt liegt, sind wir zu einer Seifenfabrik gegangen.  Nablus ist für seine Seifen bekannt, früher gab es ca. 30 Fabriken heute nur noch 4. Seit 800 Jahren wird in Nablus Seife produziert, der wichtigste Rohstoff ist Olivenöl. Der größte Teil der Produktion wird exportiert, nur ein Drittel wird auf lokalen Märkten verkauft. Das Gebäude stammt aus der britischen Mandatszeit aus den 20 er Jahren. Früher war die Produktion in der Altstadt.

Wir erfuhren, dass Nablus eine 5000 Jahre alte Stadt ist, die in Verbindung mit Babylon im alten Iran stand. Vor 2000 Jahren haben die Römer hier eine neue Stadt „Neapolis“  gegründet, woraus später der Name Nablus wurde.  Heute hat die Stadt etwa 135 000 Einwohner und steht in Konkurrenz zu Ramallah und Hebron in Bezug auf seine wirtschaftliche Bedeutung.

Hauptstadt des Widerstandes

Während der 2. Intifada ab dem Jahr 2000 sind in Nablus 1000 Häuser zerstört worden, davon 300 vollständig und 700 teilweise. Im Jahr 2002 wurden die Häuser wieder aufgebaut. In Nablus fanden schwere Kämpfe statt, Einschusslöcher in den Mauern sowie viel Gedenktafeln, die an die im Kampf Gestorbenen erinnern, zeugen davon. Allein in Nablus gab es 1000 Opfer während der 2. Intifada (8000 im gesamten Westjordanland), davon waren ca. 80 % Zivilisten. 65.000 bis 70.000 Personen wurden festgenommen. Laut Aussage von Majdi Shella hat der israelische Geheimdienst eine Datenbank über alle Bewohner angelegt. So ist für den Fall der Besatzung bekannt, wer welche Krankheiten hat, wer welche Medikamente bzw. welche Versorgung benötigt. So können die Bewohner gezielt geschädigt werden. Für die Israelis galt Nablus während der 2. Intifada als „Hauptstadt des Terrorismus“. Nachdem die Stadt im April 2002 in das Stadtzentrum eingerückt war, wurde die Bevölkerung von Juli bis Oktober unter eine fast permanente Ausgangssperre gestellt, die nur für insgesamt 79 Stunden aufgehoben wurde.

Um den Aufbau einer zivilen und demokratischen Gesellschaft ohne Extremismus zu fördern, haben sich viele Freiwillige aus der ganzen  Welt an Kunst, Musik, Theater – und Filmprojekten für Kinder und Jugendliche beteiligt.  Den traumarisierten Menschen wollte man damit Alternativen und neue Perspektiven eröffnen.

Literatur: Artikel aus der Zeit : Detaillierte Beschreibung aus dem Jahre 2007. Wie auch einige Stimmen in den Kommentaren bemerken, wird nichts zu den Ursachen des palästinensischen Terrors geschrieben.

 

Schreibe einen Kommentar