San Andrés und Providencia

5.5.2017 – 12.5.2017
Von Cartegena fliege ich für eine Woche nach San Andrés, das Traumziel vieler Kolumbianer. Die Insel liegt mitten in der Karibik und ist 700 km vom Festland entfernt. Sie liegt 240 km vor der Küste Nicaraguas. Weil die Flüge so preiswert sind, mir viele Leute davon erzählt haben und ich mir vor dem Workshop noch etwas Erholung gönnen wollte habe ich mich entschlossen, hierher zu reisen.

Am Flughafen in Cartagena wird erstmal eine Touristenkarte für die Inseln fällig, die  ca. 26 Euro kostet. Bei der Einreise muss für die Touristenkarte ein Formular ausgefüllt werden, in dem ich auch den Namen meines Hotels eintragen sollte. Da ich keine Hotelreservierung hatte und auch gar keinen Plan wo ich hin wollte, habe ich einfach nur Hotel reingeschrieben und gedacht, das wird niemanden auffallen. Aber die Dame am Schalter hat nachgefragt und als ich kein Hotel angeben konnte und gesagt habe, dass ich keine Reservierung habe, musste ich mit in ein Büro kommen, in dem schon viele Leute gewartet haben, allerdings keine Ausländer sondern Kolumbianer. Diese mussten alle ein weiteres Formular ausfüllen und damit in ein anderes Büro gehen. Als ich endlich dran war, habe ich der Dame erklärt, dass ich noch nicht wüsste, ob ich auf dieser Insel bleiben würde oder nach Providencia (auf die nächste Insel) weiterreisen würde. Die Dame hat dann ein kurzes Telefonat geführt und mir anschließend den Namen einer Hospedaje in mein Formular geschrieben und damit war die Sache erledigt, ich konnte gehen.

Als ich draußen ankam und nicht wusste wo ich hinsollte, hat mich niemand angesprochen, kein Taxifahrer, niemand, der mir irgendein Hotel vermitteln wollte. Schließlich bin ich zu einer Anzeigetafel mit einem Stadtplan gegangen und wurde dort (endlich) von einem Taxifahrer angesprochen. Ich sagte ihm, ich wollte weiter nach Providencia fahren, und wo das Boot abfahren würde etc.. Er hat mir alles auf dem Plan erklärt und wollte dann wissen, wo ich übernachten würde,  Als ich das nicht wusste, war er auch ratlos. Ich habe ihm dann den Namen der Hospedaje genannt, der mir in dem Büro gegeben worden war.
Dort hat er mich hingefahren und es ist ganz nett hier, es liegt sehr zentral und ist in einem älteren Teil der Stadt. Es hat einen schönen Hof und die Leute dort waren sehr nett. Für eine Nacht in der Nähe der Fähre, die am nächsten Morgen um 8 Uhr fahren sollte, hätte ich mir selber auch nichts Besseres finden können.

Von dort ging es dann ohne mein Zutun weiter. Zwei junge Frauen aus Deutschland, die auch am nächsten Tag auf die Insel fuhren, hatten eine Übernachtung bei einer Familie (bei Carlos und Anna) gebucht, wo sie zelten wollten und ich konnte mich den beiden anschließen. Zelte und Luftmatratzen wurden zur Verfügung gestellt.

Die Überfahrt mit dem Boot war wohl nicht so schlimm, wie sonst häufig, wenn der Wellengang noch wesentlich stärker ist, aber mir hat es gereicht und ich wurde richtig seekrank. Zum Glück waren wir schon zweieinhalb Stunden da. Bei schlechtem Wetter kann die Fahrt auch bis zu vier Stunden dauern.
Bei der Ankunft auf Providencia merkte man gleich, wie anders es hier ist. Hier gibt es keine großen Hotels, die Einwohner möchten eine Entwicklung in Richtung Massentourismus wie in San Andrés bewußt verhindern. Hotels dürfen nicht mehr als zwei Stockwerke hoch sein und müssen in dem inseltypischen Baustil errichtet werden. Reiseunternehmen vom Festland können Hotels nicht direkt verwalten, sondern müssen mit lokalen Besitzern zusammen arbeiten. Nur Einheimische können Land kaufen und Leute, die nicht hier leben können nicht länger als 6 Monate auf der Insel bleiben. Insgesamt leben nur ca. 5000 Menschen auf der Insel. Die Bevölkerung fühlt sich als Teil der karibischen Inseln und weniger als Teil von Kolumbien. Hier wird auch eine eigene Sprache, dass kreolische Englisch gesprochen (die gleiche Sprache wie auf Jamaika). Die Leute sprechen hier eher Englisch als Spanisch.

Auf der Insel ist es hier sehr ruhig, die Familie bei der wir wohnen hat ein kleines Haus und einen wunderschönen Garten mit vielen Obstbäumen (leider sind die Mangos noch nicht reif), wo sie auch Gemüse anbauen und Pflanzen ziehen, dort haben wir im Garten gezeltet.

Als wie ankamen habe ich die 16-jährige Lydia aus Berlin kennengelernt.  Sie besucht die Evangelische Schule Berlin Zentrum. Dieses Gymnasium ist bekannt für seine innovativen pädagogischen Konzepte. Lydia macht hier gerade das in der elften Klasse verpflichtende, soziale Projekt für 3 Monate, das auch im Ausland gemacht werden kann. Sie wird hier noch in der Schule arbeiten. Neben dem sozialen Projekt bietet die Schule noch die Möglichkeit 3-wöchiges Abenteuer bestehen, in dem sich jeder Schüler mit maximal 150 Euro auf eine Reise begeben muss. Lydia ist drei Wochen mit Rucksack durch Brandenburg gewandert und musste überall um Essen und Übernachtung bitten. Sicher eine tolle und wichtige Erfahrung, wo man soviel mehr lernt, als wenn man drei Wochen in der Schule sitzt.

Abends gab es in der „Stadt“ ein großes Musik- und Kulturevent. Erst hieß es, es solle um 18 Uhr losgehen, dann wurde es auf 20 Uhr verschoben und bis es dann mal losging, war es schon fast 21 Uhr. Es war ein Fest für die ganze Familie und alle hatten sich für diesen besonderen Abend schön zurecht gemacht. Wenn ich das richtig verstanden habe, war es ein Fest zum Muttertag. Am Anfang gab es viel traditionelle Musik und Tänze in historischen Kostümen. Später ist noch eine Sängerin und eine Reggaegruppe aufgetreten.

 

Am nächsten Tag bin ich mittags mit dem Mototaxi zum South-West Strand gefahren. Obwohl dieser Strand einer der größten der Insel ist, ist hier auch fast gar nichts los. Ich habe sehr leckeren, frechen Fisch direkt am Strand gegessen und später in der Hängematte unter den Palmen gelegen. Einfach mal nichts tun, auch schön.

Am letzten Tag habe ich dann noch einen Ausflug mit dem Boot gemacht und habe etwas geschnorchelt, das war wunderschön.

Auf der Rückweg mit dem Katamaran habe ich eine Tablette gegen Reisekrankheit genommen und die Fahrt gut überstanden. Einen Tag habe ich dann noch in San Andrés verbracht, bevor ich die Insel bei strömenden Regen am nächsten Morgen verlassen habe.

 

 

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