San Carlos-Spanish Adventure

Montag, 20.3.2017 bis Donnerstag, 6.4.2017: Ich war gute zwei Wochen in San Carlos, in der kleinen Spanischschule „Spanish Adventure“ und habe dort eine sehr schöne Zeit verbracht. San Carlos ist eine Kleinstadt, die bei kolumbianische Touristen sehr beliebt ist, wegen ihrer schönen Lage, des angenehmen Klimas und der spektakulären Umgebung. Ausländische Touristen gibt es so gut wie keine. Die Schule lag mitten in der Stadt und war in einer Wohnung untergebracht, in der alle zusammen gewohnt haben: Daniel und Camilo, die zwei jungen, kolumbianischen Männer, die die Schule betreiben und auch den Unterricht durchgeführt haben, die Schüler der Schule, dass war ich zeitweise alleine, sowie die Freiwilligen, die dort gearbeitet haben und von denen einige auch am Spanisch Unterricht teilgenommen haben. In der ersten Woche waren wir insgesamt sechs Personen, in der zweiten Woche nur fünf Personen und in der letzten Woche wurde es mit neun Personen dann etwas eng.

Morgens um sieben sind wir meistens zu dritt auf den Sportplatz gegangen. Dort sind wir einigen Runden gelaufen und haben einige Übungen gemacht. Der Sportplatz war öffentlich und frei zugänglich für jeden. Neben den Sportlern haben sich auch Pferde, Kühe, Schmetterlinge und bunte Vögel dort wohlgefühlt. Das Beste war ein alter Mann, der jeden Morgen gemütlich gehend seine Runden drehte und dabei seinem Kofferradio lauschte, aus dem nur laute Knattergeräusche kamen.

Anschließend gab es kolumbianisches Frühstück und danach begann der Unterricht, meistens in zwei verschiedenen Gruppen. In den ersten zwei Wochen hatte ich Einzelunterricht bei Camilo, der einen sehr abwechslungsreichen und interessanten Unterricht gemacht hat. Trotzdem habe ich das Eindruck, dass es mir schwer fällt, mein Niveau zu verbessern. Theorie ist das Eine, aber alles richtig anzuwenden ist nicht einfach und neue Vokabeln kann ich auch nicht gut behalten. Trotzdem hat der Unterricht sehr viel Spaß gemacht und ich habe u.a. viel über die Geschichte Kolumbiens gelernt. Wir haben auch Hausaufgaben aufbekommen, die ich meistens nicht gemacht habe, weil kaum Zeit dafür war. Eine der Aufgaben war es, dieses Video anzusehen und den Text zu übersetzen. Das Video hat mir so gut gefallen, das ich ausnahmsweise mal meine Hausarbeiten gemacht habe.

Mittags und abends haben immer zwei Leute für alle gekocht und wir haben zusammen gegessen. Ich war froh, dass wir selber kochen konnten, so konnten wir uns etwas gesünder ernähren, wir haben immer viel Gemüse gegessen. Ansonsten ist das Essen hier sehr fleischlastig, es gibt viel Frittiertes, wenig Gemüse oder Salat. Manche Lebensmittel, wie z.B Joghurt gibt es gar nicht ohne Zucker.

Gemeinsames Essen, Rachel, Kayla, Camilo und Daniel

Nachmittags haben wir häufig Ausflüge in die Umgebung gemacht, zu Wasserfällen, Badestellen oder einer Farm. Einmal in der Woche haben wir auch Aufgaben bekommen, bei denen wir Leuten auf der Straße Fragen stellen mussten, die wir vorher erhalten haben. In der ersten Woche habe ich die Aufgabe zusammen mit Jessica und Ryan bearbeitet. Die beiden kannten schon Leute in verschiedenen Läden, so dass wir nicht uns völlig unbekannte Personen ansprechen mussten. Obwohl wir unterschiedliche Fragen hatten, sind wir überall zusammen hingegangen. Ich sollte herausfinden, wie es in San Carlos in der Zeit der Gewalt war und wie es sich seitdem verändert hat. Dieses Paar war erst vor einigen Monaten nach San Carlos gekommen und konnte zu meinem Thema nichts sagen.

In einem anderen Geschäft hatte ich ein Gespräch mit einer jungen Frau geführt, die 26 Jahre alt war. Sie hatte mir erzählt, dass sie ursprünglich aus einem Dorf in der Umgebung kam.  Als sie 9 Jahre alt war, war ihre Familie gezwungen worden, das Dorf zu verlassen. Die militärischen Gruppen gingen in dem Fall so vor, dass sie das Haus einer Familie angezündet haben, oder einzelne Personen umgebracht haben, mit dem Ziel, dass die anderen dann freiwillig gehen. In San Carlos war das Leben in der Zeit auch sehr schwierig, abends nach 18 Uhr konnte man das Haus nicht mehr verlassen, nachts fanden oft Kämpfe statt und morgens fand man oft Tote in den Straßen.

Heute ist hier Frieden, und viele Menschen konnten nach San Carlos zurückkehren, dieser Prozess dauert  immer noch an. An vielen Stellen sieht man auch von der Regierung neugebaute Häuser für die Menschen, die in Zukunft zurückkehren werden.

Ryan hat mit dieser Nonne gesprochen, die ihm sagte, dass in den letzten Jahren der Drogenkonsum sowie die Prosititution zugenommen hätten.

Nach unseren Gesprächen waren wir in einem Café, in dem ein Fussballspiel übertragen wurde.

In der zweiten Woche waren wir im Haus der Kultur, wo uns von den freundlichen Damen alles gezeigt wurde. Es gab dort sehr viele Angebote, wie Musikunterricht, Visuelle Kunst, Theater, Literatur und vieles mehr. Die Angebote sind alle kostenlos für die Teilnehmer. Die Finanzierung wird zu einem Teil von der Stadt und zum anderen Teil von der Firma EPM, dem lokalen Energieversorger, übernommen. Wir haben im Theater mit einer Frau gesprochen, die uns mit viel Begeisterung von dem im Juli stattfindenden Theaterfestival erzählt hat. Jetzt würden die verschiedenen Gruppen alle dafür proben. Sie war erst vor zwei Monaten nach San Carlos zurückgekehrt und war darüber sehr glücklich. Ihre Familie war vor sechzehn Jahren aus der Stadt vertrieben worden und musste seitdem in Medellín leben.

Haus der Kultur

Abends haben wir nach dem Abendessen oft noch zusammen gesessen, und manchmal auch was gespielt.

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