Sufi Trail in Palästina, Deir Ghassaneh

Am Freitag, den 24. 10.2014, wollten wir von Ramallah  zur palästinensischen Universität Bir Zeit fahren. Leider war die Universität aus uns nicht bekannten Gründen geschlossen. Unsere nächste Station war die NGO Rozane in Deir Ghassaneh. Dort wurden wir von unserem lokalen Begleiter begrüßt. Rozane wird von verschiedenen europäischen Ländern unterstützt und bemüht sich um Projekte für Jugendliche und Frauen sowie um das Bewahren des kulturellen Erbes des palästinensischen Volkes. Ziel ist auch die Stärkung von lokalen Wirtschaftsstrukturen.

Im Rahmen der Aktivitäten von Rozane werden touristische Angebote gemacht. Dazu gehört u. a. der sogenannte Sufi-Trail. Der Wanderweg verbindet verschiedene Sufi-Schreine, die strategisch günstig auf Hügeln liegen. So konnte früher mit Lichtzeichen von Berg zu Berg kommuniziert werden. In Palästina gibt es ca. 600 Sufi Schreine. Die Menschen haben den Sufis früher Essen gebracht, damit sie ihre Wünsche zum Himmel weiterleiten (durch die Hügellage war der Weg zum Himmel nicht so weit). Unsere erste Station ist ein kleiner archäologischer Park mit einem Schrein aus der mamelukkischen Zeit (1250 – 1500 n. Chr.). Auf dem Gelände sind auch die Fundamente einer Kirche aus byzantinischer Zeit (396 – 638 n. Chr.) zu finden.

Mit dem Bus fahren wir die nächste Station, den Schrein von Nabi Saleh, an. Die von der Schweiz gesponserte Infotafel gibt die folgenden Informationen:

Bevor wir den Ort Deir Ghassaneh besuchen, gibt es noch einen kleinen politischen Exkurs: In Nabi Saleh finden, wie in Bil’in, jeden Freitag nachmittag Proteste und entsprechende Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und dem israelischem Militär statt. In einem Zaun am Straßenrand sehen wir leere Tränengaspatronen.

Jugendliche bereiten sich schon auf die Auseinandersetzung vor und versuchen die israelischen Soldaten, die sich in dem gegenüberliegenden Wachturm befinden, mit einem Spiegel zu blenden.

Der Wald auf dem unten abgebildeten Foto ist ein Erholungsgebiet, das an 5 Tagen in der Woche von Israelis und an zwei Tagen von Palästinensern genutzt werden darf. Solche Aussagen bzw. Regelungen machen mich sprachlos.

Die palästinensische Siedlung (Rawabi) , die im Hintergrund zu sehen ist, ist von Munib al-Masri, einem palästinensischen Unternehmer,  für die palästinensische Mittelschicht errichtet worden. In der  Siedlung gibt es fertig gebaute Gebäude, allerdings wohnt bis jetzt noch niemand dort. Die Siedlung liegt in der Zone A. Teile der Zufahrt zur Siedlung liegen jedoch in der Zone C, so dass es von den Israelis zunächst keine Genehmigung für die Zufahrt gab. Die Informationen zum aktuellen Stand waren widersprüchlich. Der neueste Stand schien zu sagen, dass es einen Baustopp gibt, und ein Zugang nicht möglich ist.

Nach diesem politischen Exkurs fahren wir nach Deir Ghassaneh und besuchen dort die Frauenkooperative, ein kleines Museum (heritage exhibition) und das, auch mit deutscher Hilfe, restaurierte historische Zentrum. Die Frauenkooperative bietet den Frauen ein kleines Einkommen durch die Herstellung und den Verkauf von Kunsthandwerk.

 

 

 

Die Gebäude wurden durch die Organisation riwaq, die vor 25 Jahren gegründet wurde, mit Hilfe von ausländischen Geldern restauriert und werden als öffentliche Gebäude genutzt.

Heritage Museum

In dem kleinen Museum werden liebevoll viele historische Alltagsgegenstände zusammengetragen und ausgestellt.

Nachdem wir von den Spaziergängen und Besichtigungen schon etwas müde waren, ging die eigentliche Wanderung auf dem sogenannten Sufi-Trail los. Wir sind von Deir Ghassaneh zum Schrein  al-Majdhoub gelaufen.

 

Unser Ziel, der Schrein von al-Majhoub, ist ein beliebter Ausflugsort, besonders an Feiertagen kommen Familien hierher. So besinnt man sich wieder auf eigene Traditionen, die eigene Geschichte sowie die Religion und nutzt diesen Ort, um Wünsche für das eigene Leben zu artikulieren.

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