Jenin Freedom Theatre

Am 21.10.2014 sind wir von Nablus nach Jenin gefahren und haben dort das freedom theatre besucht. In Jenin gibt es auch ein Kino, das mit deutscher Hilfe wieder aufgebaut wurde. Über das Projekt gibt es den beeindruckenden FilmCinema Jenin“ von Marcus Vetter, der mit dem Kinoprojekt an seinen Film „Das Herz von Jenin“ anknüpft. Das Flüchtlingslager Jenin ist auch durch den  Roman „Während die Welt schlief“ von Susan Abulhawa bekannt. In dem Buch werden die dramatischen Ereignisse des Jahres 2002 beschrieben, als in dem Flüchtlingslager erbitterte Kämpfe zwischen den Al-Aksa Brigaden und dem israelischen Militär stattfanden. Es gab viele Tote und Verletzte, viele Häuser wurden zerstört.

Das Theater wurde 2006 unter anderem von Juliano Mer-Khamis gegründet, der damit die Arbeit seiner Mutter im Flüchtlingslager Jenin fortgesetzt hat. 2011 wurde Juliano Mer-Khamis von einem unbekannten Täter  vor dem Theater erschossen (Nachruf).

Wir wurden im Theater von Jonatan Stanczak, einem der Mitbegründer des Theaters empfangen. Jonatan Stanczak kommt aus Schweden, lebt in Jenin mit seiner Frau und seinen Kindern und ist als Managing Director des Theaters tätig. In einem beeindruckenden Vortrag hat er uns die Arbeit des Theaterprojektes näher gebracht. Die für mich wichtigsten Aspekte möchte ich hier wiedergeben:

Während der 2. Intifada von 2000 bis 2005 gab es in Jenin intensive Kämpfe  zwischen Al-Aksa Brigaden und israelischen Truppen. Zakaria Sbeidi, der ehemalige militärische Führer der Al-Aksa Brigaden hat 2005 das Theater mit gegründet. Inzwischen gibt es viel Enttäuschung über den Stillstand des Friedensprozesses, dazu erschien schon 2012 in der TAZ dieser Artikel.

Das Theater bietet eine 3-jährige professionelle Ausbildung. Die ersten Studenten waren Jugendliche aus den Straßenbanden des Flüchtlingslagers. Gegenüber Theater und Film gab es in konservativen, palästinensischen Kreisen große Vorbehalte. Inzwischen ist das Theater ein künstlerisches Zentrum mit 15.000 bis 18.000 Zuschauern, einem Jugendmagazin und einem Ausbildungsprogramm für Fotografen. Erwähnt wurde der Film „Fragments of palestine„.

Eine Theaterform ist das sogenannte „play back theatre“. Es handelt sich hierbei um Improvisationstheater, dass die persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen aus der Erzählung von Zuschauern aufnimmt und darstellt.

Jonatan Stanczak stellte heraus, dass sich die Palästinenser mit vier verschiedenen Machtebenen auseinandersetzen müssen:

  • Die israelische Besatzungsmacht
  • Die palästinensischen Autoritäten
  • Der Neoliberalismus und der Kapitalismus
  • Die Internalisierung von Unterdrückung, die einen selbst zum Unterdrücker machen kann

Die Ausbildung im Theater stelle eine neue Art des Lebens dar. Zu Beginn der Ausbildung gehe es um Identitätsfindung, dem Kennenlernen der physischen Grenzen des Körpers und der Wahrnehmung. Es gehe um die Rolle der Institutionen und der eigenen Identität. In einem fragmentierten Land mit ABC-Zonen sei es schwer Verbindungen und Netzwerke aufzubauen. Es herrsche ein Klima des gegenseitigen Misstrauens. Beim Einstudieren von Stücken sei der Prozess (Dauer: 3 – 4 Monate)  wichtiger als die Aufführungen (5 – 6) .

Die Finanzierung des Freedom Theatre erfolgt durch unterschiedlichen Einnahmequellen:

  • Unterstützung aus dem Netzwerk mit internationalen Theatern (z.B. Schaubühne, Berlin)
  • Crowdfunding durch individuelle Spenden
  • Verkauf von Büchern, Filmen, T-Shirts etc.
  • Öffentliche Unterstützung

Im Internet ist das Freedom Theatre in den sozialen Netzwerken google+, twitter und instagram sowie mit einem eigenen youtube-Kanal vertreten.

 

 

 

 

 

 

 

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