Sevilla-Faro-Lissabon-Obidos

15.04.2023: Nach drei zum Teil unruhigen Nächten in Sevilla (laut und/oder warm) sind wir nach Faro in Portugal aufgebrochen. Leider war das nur mit dem Bus möglich. In Spanien hätten wir noch mit dem Zug bis Huelva fahren können und an der Algarve in Portugal gibt es ein kleines Bähnchen, das zwischen Lagos und der portugiesischen/spanischen Grenze (V. Real de Sto. António) verkehrt. Über die Grenze gibt es leider keine Zugverbindung.
In Faro war ich 1982 schonmal. Bei einer Motorradtour mit Freunden auf meiner BMW R80 auf der Suche nach einer Werkstatt, um einen Simmerring aus meiner Vorderradgabel austauschen zu lassen. Es hat sich schnell als nicht ganz einfaches Unterfangen herausgestellt. BMW Motorrad – haha, deutsches Luxusprodukt (War nicht ganz meine Meinung.). Aber schlussendlich haben die Jungs das Teil aus einer Polizeimaschine aus- und bei mir eingebaut. Muchas Gracias – ach nee, ist ja jetzt Portugal. Und weiter gings nach Lagos und darüber hinaus.

Von Faro ging es mit einem Bähnchen bis Olhão (10 km östlich von Faro). Wir brauchten mal Erholung von den Städten. Die Attraktion hier ist die Ria Formosa, eine ausgedehnte Lagunenlandschaft (Wikipedia-Artikel).

Hier an der Algarve erinnere ich mich an meine Radtour 2016. Damals bin ich u.a. den südlich von Lissabon gelegenen, portugiesischen und spanischen, Teil der Atlantikküste bis nach Tarifa geradelt und habe meistens gezeltet. Auch durch Olhão bin ich damals gefahren. Als wir dort an der Strandpromenade standen konnte ich mich allerdings nicht erinnern jemals hier gewesen zu sein. Ich bin trotzdem etwas wehmütig geworden und habe mein Fahrrad und mein Zelt vermisst. Hier findet ihr die entsprechenden Blogbeiträge.

Am nächsten Tag haben wir die Ria Famosa mit einem Ausflugsschiff erkundet. Es wurden zwei bewohnte Inseln angefahren, wir hatten dort jeweils einige Zeit uns umzusehen (etwas zu essen oder an den Strand zu gehen). Ich hatte Schwimmzeug dabei und habe mich beim ersten Stop mutig in die Fluten des Atlantiks gestürzt. Es war herrlich erfrischend und gar nicht so kalt wie befürchtet. Wolfgang ist derweil seiner Lieblings-Strandbeschäftigung nachgegangen und hat ein Auge auf die Habseligkeiten geworfen.


17.04.2023: Weiterreise nach Lissabon mit einem reservierungspflichtigen Zug in ca. 4 Stunden. Am Bahnhof haben wir eine rüstige, jung gebliebene Französin kennengelernt. Sie war auf dem Weg zur Westküste und hatte vor, von dort aus nach Santiago de Compostela zu pilgern (1500 km). Sie gab uns für Portugal noch einige Tipps zu sehenswerten Zielen, die ich mir dankbar notierte. Denn tatsächlich haben wir mal wieder keinen Plan, wie es jetzt in Portugal weitergeht. Vor allem nachdem aus dem ursprünglich vorgesehenen Besuch bei einem Bekannten nichts geworden ist und auch unser Kontakt in Lissabon nicht verfügbar ist (da selbst auf Reisen). Den Teil südlich von Lissabon und nördlich von Porto hatte ich schon mit dem Fahrrad bereist, auf Städte habe ich wie schon gesagt, im Moment keine große Lust. Aber Lissabon musste zumindest für einen Kurzbesuch sein. Schließlich war Wolfgang hier schonmal mit dem Motorrad unterwegs und hat die Überfahrt über die Brücke über den Tejo, mit dem Cristo Rei im Rücken, noch in lebhafter Erinnerung. Vor allem als statt Asphalt nur Gitterroste unter den Rädern auftauchten und den Blick bis zur Wasseroberfläche freigaben. Wolfgang wollte gerne die Christusstatue auf der anderen Flußseite, mit tollem Ausblick auf die Stadt, besichtigen. Durch gute Vorbereitung konnten wir das noch am Nachmittag des Ankunftstages bewerkstelligen. Abends haben wir zur stressfreien Stadterkundung noch eine Fahrt mit der historischen Straßenbahn (Linie 28, vergleichbar dem 100er Bus in Berlin) gemacht und uns anschließend ein leckeres Abendessen beim Inder gegönnt.

18.04.2023: Am nächsten Morgen ging es mit dem Nahverkehrszug weiter nach Obidos (einer der Orte, die uns gestern empfohlen wurden). Von Lissabon ohne Umsteigen. Leider blieb der Zug schon nach 4 Stationen (von insgesamt 23) für fast eine Stunde stehen, aber dann ging es immerhin weiter.

Viel wussten wir ja nicht von dem Ort Obidos, sonst hätten wir uns vielleicht besser vorstellen können, dass er vom Bahnhof nicht ganz so einfach zu erreichen war. Bei Obidos handelt es sich um eine kleine, historische Ortschaft, die innerhalb einer Burganlage auf einem steilen Hügel liegt und von einer Stadtmauer vollständig umschlossen ist.

Am Bahnhof kamen wir zusammen mit einem amerikanischen, älteren Paar mit Rollkoffern an (sonst ist niemand ausgestiegen). Ein Schotterweg führte zur Straße, Bus oder Taxi gab es nicht. Es sind wohl nicht viele Touristen, die mit dem Zug anreisen. Oben thronte die Burg und da mussten wir hoch. Belohnt wurden wir mit einer wunderschönen Unterkunft in einem alten Gemäuer, auch über das gute Frühstück am nächsten Morgen haben wir uns gefreut.

Abends nach der Online-Beiratssitzung, bei der ich die neue Vereins-Webseite vorgestellt hatte, sind wir noch Essen gegangen und haben beschlossen, am nächsten Tag mit dem Bus nach Nazaré zu fahren. Die Vorstellung wieder zu diesem verlassenen Bahnhof zu gehen und dort auf einen Zug zu warten, der vielleicht nie kommt, schien uns nicht sehr verlockend und auch der Bahnhof von Nazaré liegt 6 km außerhalb des Ortes.

Mit unserer Anreise nach Obidos hatten wir immerhin mehr Glück gehabt als ein australische Päarchen, das wir an der Bushaltestelle trafen. Sie waren auch gestern aus Lissabon gekommen, wollten auch mit der Bahn anreisen. Nachdem zwei Züge ausgefallen waren (fährt sowieso nur ca. 6 mal/Tag), mussten sie zum Busbahnhof fahren um den Bus zu nehmen.

2 Gedanken zu „Sevilla-Faro-Lissabon-Obidos“

  1. Aber Obidos ist doch ein schöner Tipp, danke !

    Olhao, Fuseta sowie die Ria Formosa mit Botanischem Garten habe ich im letzten Jahr im April eine ganze Woche lang genossen. Habt ihr Störche gesehen, die da rumstaksten? Allerdings esse ich auch Fisch und habe da sehr nette Begegnungen in portugiesichen Kneipen gehabt, wobei ich immer nur Spanisch gesprochen habe. Das ist in der Zwischenzeit auch rudimentär.

    Weiterhin viel Genuss
    Sabine

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